Tickende Zeitbomben in den Führungsetagen

Nach längerer Auszeit konnte und durfte ich wieder arbeiten und dabei feststellen, dass mein Gesundheitszustand doch noch zu wünschen übrig lässt. 8 Stunden Coaching im Bereich psychische Belastungen am Arbeitsplatz sind echt harte Kost... und ich war danach körperlich sowie seelisch am Ende. Trotz professioneller Einstellung nehme ich doch einige Eindrücke mit.

Fazit des Tages ist ein erhebliches Führungsproblem. Da werden Mitarbeiter, die augenscheinlich unter sehr hoher Belastung stehen und dieser sichtlich nicht mehr gewachsen sind, in ein Coaching geschickt, um ihnen Hilfestellung zu geben. Dabei wäre es mit ein wenig mehr Anerkennung sowie angesprochene Probleme ernst zu nehmen, schon getan - ein typischer Fall in deutschen Unternehmen?!

Ich sitze als Coach mit den Gesprächsteilnehmern in den Gesprächen und finde nur wenige Ansatzpunkte für persönliche Veränderungsmöglichkeiten. Von allen Teilnehmern wird auch unabhängig voneinander die Variante nach beruflicher Umorientierung laut. Ich spüre Hilflosigkeit.

Da letztlich das Unternehmen mein Honorar bezahlt, bin ich auch diesem Unternehmen verpflichtet, möchte aber meine menschliche Verantwortung nicht aufgrund eines Honorars vernachlässigen. Natürlich habe ich alle vom Coachingnehmer genannten Möglichkeiten mit ihnen besprochen, aber auch darauf hingewiesen, dass es Veränderungen nur dann gibt, wenn man auch darum kämpft. Ich habe ihre Unterstützung eingefordert, um mit der Unternehmensleitung ins Gespräch zu kommen und möglichst viele Mitarbeiter im Unternehmen zu halten.

Was geht vor in den Köpfen der Verantwortlichen? Meist ist ihnen gar nicht bewusst, was sie mit ihren Handlungen und Äußerungen anrichten. Sehr oft sind Führungskräfte der oberen Ebenen von Finanzen gesteuert und verlieren den Blick für die strategischen Erfolgsfaktoren ihres Geschäftes. Investitionen gehören zu einer gesunden Geschäftsentwicklung genauso dazu wie Berechenbarkeit der Führungskräfte. Dass gut ausgebildete Mitarbeiter zu den Erfolgsfaktoren von Dienstleistungsunternehmen zählen, scheint in der Wahrnehmung der o.g. Gruppe nicht zu existieren. In der jetzigen Zeit wird immer klarer, dass die Unternehmen von ihren guten Mitarbeitern abhängig sind (Peter Drucker). Viele Unternehmer und Manager geben das als Lippenbekenntnis in die Öffentlichkeit, handeln aber nicht dementsprechend.

Meist fehlen leicht umsetzbare Maßnahmen und sehr häufig scheitert eine adäquate Umsetzung der Maßnahmen an der komplizierten, selbstaufdoktrinierten Bürokratie...

Als Coach und Berater befinde ich mich jetzt in einem Dilemma. Die Unternehmensleitung hat mich damit beauftragt, bei diesen Mitarbeitern eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz durchzuführen. Dazu gehört in meinem Leistungsspektrum unbedingt ein Interview mit den Beteiligten. Nun stellt sich heraus, dass alle Teilnehmer unter den gleichen Wirkungen leiden, welche ihre Ursache klar in der obersten Führungsebene haben. Die typische Dreiecksbeziehung und eine schlechte Auftragsklärung - und das mir... peinlich? Nein, solche Fehler können immer wieder passieren. Also proaktiv damit umgehen.

Jetzt geht es im nächsten Schritt um das Gespräch mit der Unternehmensleitung. Es gibt mehrere Ansatzpunkte, um solchen Fällen Gehör zu finden. Zum Einen befinden sich nachweislich zwei Mitarbeiter kurz vor dem Burnout, insofern wäre Nichtstun eine grobe Fahrlässigkeit im Sinne der berufsgenossenschaftlichen Vorschriften und damit der Unternehmer voll haftbar zu machen. Das ist natürlich ein Druckmittel, welches ich gar nicht aus dem Ärmel ziehen möchte. Vielmehr sind die Mitarbeiter, um die es hier geht, direkte Mitarbeiter am Point of Sale. Wir lange können sie gute Miene zum bösen Spiel machen ohne dass die Kunden etwas merken? Wie gut machen sie ihren Job, wenn sie keinerlei Anerkennung und Rückmeldung erhalten?

Ich habe nun einen Termin mit der gesamten Unternehmensleitung und damit die Gelegenheit, die Problematik im direkten Gespräch zu erläutern - das ist Luxus und eröffnet tolle Möglichkeiten für mich, das Unternehmen und die Mitarbeiter.

Was hättet Ihr in diesem Falle getan? Sind Euch ähnliche Fälle bekannt, in denen Mitarbeiter an ihren Führungskräften verzweifeln?

Ich freue mich über eine rege Diskussion zu diesem Thema.

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Thorsten Ebeling

Businesstrainer und Businesscoach
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Coach der Wirtschaft (IHK-zertifiziert)
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Geschäftsführer und Gesellschafter fluid24 Hydraulikservice

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