Empathie ist lernbar

Empathie ist lernbar

Kennen Sie diese Situation?

Eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter hat eine wichtige Aufgabe nicht geschafft. Kurz vor Feierabend fragen Sie nach, wo das Ergebnis bleibt. Die Reaktion: Schreck! Sie ordnen an, das jetzt umgehend fertigzustellen. Die Mitarbeiterin bzw. der Mitarbeiter geht sofort an die Arbeit und stellt die Aufgabe in 2-3 Überstunden fertig. Sie sind zufrieden.

Eine typische Situation wie sie sich in vielen Unternehmen mehrfach täglich abspielt.

Jetzt stellen Sie sich Folgendes vor:

Morgens hat die Person im Szenario von eben ihr Kind zur Schule geschickt. Das Kind wurde vor dem Haus angefahren, und die Person konnte das nur hilflos mit ansehen. Sie hat ihr Kind im Krankenwagen ins Krankenhaus begleitet. Erst als der Arzt ihre mitteilte, dass alles gut werden würde, fuhr die Person ins Büro. Den ganzen Tag machte sie sich Sorgen um ihr Kind und wollte zum Feierabend ins Krankenhaus fahren…

Wie würden Sie jetzt reagieren?

Was konkret ist Empathie?

Empathische Menschen können sich gut in andere Menschen einfühlen und deren Gefühlslage verstehen. Aber nicht genug, Sie sind darüber hinaus in der Lage, sich auf ihr Gegenüber einzustellen und sensibel mit ihm umzugehen. Ein komplexer Vorgang, der meist in Millisekunden abläuft.

Empathie geht auf das altgriechische Wort für Leidenschaft zurück, die Bedeutung hat sich heute verschoben und kann mit Einfühlungsvermögen wiedergegeben werden.

Wie kann ich Empathie lernen?

Die Funktionalität der Spiegelneuronen muss gewährleistet sein, um empathisch sein zu können. Achtung: Häufig werden Menschen, die Gefühle nie richtig gelernt haben, als Autisten bezeichnet. Doch es handelt sich hier nicht um Autismus, denn das ist eine echte Krankheit. Hier geht es um ein Persönlichkeitsmerkmal, das bei ca. 10 Prozente der Bevölkerung anzutreffen ist, und Alexithymie bzw. Gefühlsblindheit genannt wird. Wer Gefühle nie richtig gelernt oder aberzogen bekommen hat, ist meist nicht in der Lage, empathisch zu sein..

Hier https://www.alexithymie.com/test-alexithymie können Sie ohne Registrierung und kostenlos einen anerkannten Test dazu machen, um Anhaltspunkte bezüglich einer Empathie-Schwäche zu erhalten.

Empathie Schritt für Schritt lernen

Achtsam sein und wahrnehmen, ohne zu bewerten

Sich für den anderen zu interessieren, ist die Grundvoraussetzung. Ohne Interesse kann man Empathie nicht lernen, sie ist dann nur anerzogen wie bei einem dressierten Hund. Unsere sechs Sinne sind die Basis für den ersten Teil des Empathie-Kreislaufs. Sie sorgen für eine umfassende Wahrnehmung. Zuhören, wenn andere etwas sagen, lässt hören, welche Selbstoffenbarung in den Worten steckt. Mimik und Körpersprache beobachten und dem Gegenüber in die Augen sehen gibt Hinweise darauf, wie sich der andere fühlt und ob das Gesagte dazu passt. Da wir uns meist nur gegenseitig berühren und schmecken, wenn wir uns sehr nahestehen, kommen diese Sinne in der heutigen Zeit immer seltener zum Einsatz, Ähnlich geht es uns mit dem Geruchssinn, der stark verkümmert ist. Der sechste Sinn, unsere Intuition, ist meist eine gute Alarmvorrichtung. Wenn wir einen fundierten Erfahrungsschatz haben mit dem richtigen Feedback auf unser Tun, dann kann es sehr hilfreich sein, auf unsere Intuition zu hören. Ein falscher Erfahrungsschatz ohne Wertschätzung der eigenen Person kann allerdings auch hinderlich sein.

Jeder sollte seine eigenen Wahrnehmungsfilter kennen. Das hilft, um empathischer sein zu können. Dazu sind drei Regeln zu beachten:

  1. Beobachtungen sind immer subjektiv
  2. Handeln ergibt für den Handelnden immer einen Sinn (auch wenn Außenstehende dies anders sehen)
  3. Menschen verhalten sich, wie sie gestrickt sind, d.h. ihr Verhalten basiert auf ihren Erfahrungen

Mit der Kernfrage „Wie geht es dem anderen?“ können wir unseren eigenen Filter grobmaschiger, großzügiger einstellen und näher beim anderen sein. Offene Fragen zur Ergänzung der eigenen Wahrnehmung sorgen für ein besseres Verständnis.

Verständnis herstellen

Nach dem ersten Interesse sind offene Fragen der Schritt, um den anderen zu verstehen. Hier ein paar Fragen, die ich in meinen Coachings stelle, um die Situation des anderen zu verstehen:

  • Was genau hat dazu geführt?
  • Was treibt Dich dabei an?
  • Was ist dabei wichtig für Dich?
  • Wie sind die Umstände zur Situation?

Vertiefende Fragen sorgen für tiefergehendes Verständnis:

  • Wie konkret meinst Du das?
  • Was noch?
  • Was genau verstehst Du darunter?

Erst wenn ich ein umfassendes Verständnis erlangt habe, kann ich darüber nachdenken, wie ich darauf reagiere. Die meisten Menschen reagieren sofort und ohne nachzudenken. Wie oft ist mir das schon passiert. Einen Beitrag in den sozialen Medien kommentieren und vom Shitstorm überrascht werden. Wie leicht hätte der mit Empathie, Nachdenken, ein paar Fragen und möglicherweise sogar Verständnis vermieden werden können.

Eigene Reaktion abwägen

Wenn wir die beiden ersten Schritte gemeistert haben, fallen uns die beiden letzten Schritte zum Thema Empathie viel leichter. Mit der Frage „wie reagiere ich darauf?“ bin ich in der Lage, bewusst zu entscheiden, ob ich Rücksicht nehme, Mitgefühl zeige oder ob ich provokant darauf reagiere.

Wie wird der andere reagieren?

Wenn ich meine eigene Reaktion kenne (ohne sie gleich in die Realität umzusetzen), bin ich in der Lage, die Reaktion der anderen Person viel besser einschätzen zu können. Ich kann mir dann erst mal einen Überblick verschaffen, welche Möglichkeiten sich aus der Situation entwickeln könnten und meine eigene Reaktion noch einmal überdenken.

Wobei hilft Empathie?

Empathie gilt als Schlüsselfaktor für beruflichen Erfolg.

Viele Menschen verstecken ihre Gefühle. Im Umgang mit anderen Menschen erschwert das oft die richtige Einschätzung der Situationen. Denken Sie nur an die beiden Beispiele am Anfang meines Blogs. Emphatische Menschen spüren meist, wenn etwas anders ist als sonst, und können dann wertschätzend und mitfühlend nachfragen, um mehr über die Gefühle der anderen Person zu erfahren.

Im Umgang mit anderen Menschen sind empathische Menschen also im Vorteil, weil sie ihr eigenes Verhalten an den Einstellungen und Gefühlen des anderen ausrichten können. Das führt dazu, dass sie besser als andere Menschen für ihre Ziele gewinnen und ins Boot holen können. Jede Führungskraft sollte empathisch sein können.

Achtung: Wer es übertreibt, kann in ein Anpassungsmuster verfallen und sich selbst dabei verlieren.

Konsequent Führen mit Empathie

Im Kontext der konsequenten Führung und des daraus resultierenden Erfolgs sollten Führungskräfte mit jeder Hierarchieebene mehr Empathie an den Tag legen und die vier Schritte der Empathie in allen brenzligen Situationen bewusst anwenden können.

Das macht erfolgreiche Führung aus. Im Podcast nächste Woche spreche ich über den Schritt 3 in der Lösungsfindung: Konsens herstellen. Lassen Sie sich überraschen, was das mit Empathie zu tun hat.

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Thorsten Ebeling Entwicklung.Veränderung.Führung. hat 4,87 von 5 Sternen 78 Bewertungen auf ProvenExpert.com